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Projekt Eifelsteig – Teil 4, Etappe 12 bis 15

genusswandern_etappe12_1Auf die kommende Etappe habe ich mich schon seit längerem ganz besonders gefreut. Ein Verbandskollege, der in Manderscheid Zuhause ist, hatte angekündigt diese mit uns gemeinsam zu laufen. Es geht um die Etappe 12 von Manderscheid nach Himmerod. Wir enden jedoch bereits in Großlittgen, da sich hier unser Hotel befindet.

Der Eifelsteig führt durch Manderscheid und zum Abschied zeigen sich nocheinmal die Ober- und Niederburg. Dann geht es auch schon in den Wald. So bleibt es fast die gesamte Strecke. Schmale Waldpfade verlaufen oberhalb der Lieser. Das ist Idylle pur. Man sollte hier jedoch Trittsicher sein, denn manchmal wird der Pfad sehr schmal genusswandern_etappe12_2und seitlich geht’s ordentlich tief runter. Also,  Augen auf im Straßenverkehr! Unterwegs gibt es viele Möglichkeiten eine Pause einzulegen. Von einigen hat man einen tollen Panoramablick auf die Wälder. Die Etappe geht zwar  insgesamt „nur“ 17 km, jedoch mit heftigen Steigungen. Das zieht sich vor allem ab der Mitte der Strecke. Zum Schluß nach Großlittgen muss man dann noch mal alles geben, da der Ort auf einem Berg liegt. Unser Standort für die nächsten zwei Nächte ist das Landhotel Littcher Hof, indem wir trotz geschlossener Gesellschaft herzlich empfangen und mit einem kühlen Bier belohnt wurden.

genusswandern_etappe13_1Heute laufen wir wieder einmal eine Etappe falsch herum. Eigentlich stünde Kloster Himmerodt nach Bruch auf dem Plan, Etappe 13. Wir werden jedoch nach dem Frühstück von der Hotelinhaberin nach Bruch gefahren um genusswandern_etappe13_3die Tour in Richtung Kloster Himmerod zu starten. Eine wirklich abwechslungsreiche Strecke, Waldpfade, Forstwege, Feldwege, durch Ortschaften – alles war dabei. Einen ganz besonderen Punkt haben wir auch erreicht und überschritten: den 50. Breitengrad. Das ist doch mal was! Und dann, nach fast 5 Stunden, hatten wir den ersten Blickkontakt zum Kloster Himmerod. Durch den Wald, von der Seite, wirklich beeindruckend. 10 genusswandern_etappe13_4Minuten später standen wir dann direkt davor. Wir hatten so ein bisschen das Gefühl, welches man sicherlich auf dem Camino am Ziel hat. Nix wie rein in die Kirche. Im Anschluss noch kurz ein Rundgang durch den Klosterladen und dann ab ins Cafè. Hier gab es zuerst einen Cappuccino sowie ein Stückchen Kuchen und dann noch ein erfrischendes alkoholfreies Weizenbier. Also zumindest für einen von uns. Leo zog es vor das Klosterbier, ein Belgian Quad mit nur 10,5% Alc.. Gut, dass wir schon vorher beschlossen hatten mit dem Bus nach Großlittgen zu fahren. Nach 22 km und ordnungsgemäß erlaufener Etappe, ist das auch erlaubt.
genusswandern_etappe13_5Da uns die Etappe doch ziemlich geschlaucht hatte waren wir froh, dass wir in unserem Hotel wieder zu Abend essen konnten und somit nicht noch einmal irgendwo hingehen mussten. Im Littcher Hof wird typische Eifelküche geboten, aber liebevoll von der Hotel- und Restaurantinhaberin gekocht. Man fühlt sich hier sehr wohl.
Kleine Randnotiz: Auch auf der Etappe 13 gibt es keine Einkehrmöglichkeit direkt am Weg.

genusswandern_etappe14_1Neuer Tag, neue Etappe. Nr. 14, von Bruch nach Kordel. Wieder kam unsere Gastgeberin aus dem Littcher Hof zum Einsatz und fuhr uns mit dem Auto zum Startpunkt unserer Etappe. Da im Verlauf der Tour eines meiner Knie schlapp gemacht, haben wir an dieser Stelle etwas gemogelt. Laut Plan stand die längste Etappe des gesamten Eifelsteigs mit 27,5 km auf dem Programm, mit ordentlichem Anstieg gleich zum Beginn. Aus diesem Grund haben wir uns in Gladbach absetzen lassen. Dies ersparte uns die ersten 5 km und einige Höhenmeter. Schmerz sei Dank! Hier ging es zwar gleich zum warm werden auch ordentlich nach oben, aber hey, wir sind ja schließlich in genusswandern_etappe14_2der Eifel. Autsch!!!!! Nach ca. 7 km hatten wir den höchsten Punkt der Etappe erreicht und von da an ging es dann zuerst sehr moderat weiter. Die Strecke verlief abwechselnd durch Wald und Felder. Vorbei an Maisfeldern die von Sonnenblumen gesäumt waren, mit strahlend blauen Himmel, kamen wir uns vor wie einer Postkarte. Am Ende des 2. Drittels der Tour erreicht man den Ort Rodt. Hier wird schon sehr früh auf das Eifelsteig Café aufmerksam gemacht. Ein kleiner Umweg von ca. 80 Meter, der es aber wirklich wert ist. Eine kleine Pause mit z.B. einem leckeren Milchkaffee vor dem letzen Drittel, tut immer gut. In dem Teil der Etappe gibt es noch einmal böse Höhenmeter und dann hatten wir es geschafft und unser Ziel erreicht – genusswandern_etappe14_4Kordel, das Hotel-Restaurant Neyses am Park. Gleich mal für den Abend einen Tisch im Außenbereich reservieren, kurz auf`s Zimmer Wanderschuhe ausziehen und auf zum alkoholfreien Weizen. Da der Sommer zurück gekehrt war, gab es hier auch ganz besondere Not. Im Anschluss erstmal ordentlich unter die Dusche, und dann auf zum Abendmal. Hurra, wir bewegen uns tatsächlich gen Mosel. Deutlich erkennbar ist das nämlich an der Speisenkarten. Kein genusswandern_etappe14_5Schnitzel!!!!!! Wir fröhnen der kulinarischen Genüssen und ordern erstmal eine Flasche Weißwein, der tatsächlich auf Eis im Kühler serviert wird. Willkommen in der Zivilisation! 😉 Weiter geht es mit einer Vorspeise: Ziegenkäse genusswandern_etappe14_6mit Honig-Senf gratiniert auf einem rote Beete-Carpaccio. Im Hauptgang hatten wir dann einmal Lammrücken mit Rosmarinkartoffeln und Speckbohnen sowie Seehecht mit Pfifferlingen und Rösti. Das war nicht nur gewollt sondern auch eindeutig gekonnt. Nach sehr rustikalen Tagen haben wir das sehr genossen!

genusswandern_etappe15_1Das Frühstück am nächsten Tag war auch mal was anderes. Dies wurde nämlich am Tisch serviert. Brot und Brötchen, Wurst, Käse, Butter, Frischkäse, Honig, Marmelade – alles da. Joghurt und Cerealien gab es dann am Buffet. Auch hier durfte man wieder Brot und/oder Brötchen für unterwegs selber zurecht machen und dann gab es noch Obst, Müsliriegel und Wasser liebevoll in einer Papiertüte zum mitnehmen. So startet man doch sehr entspannt in die letzte Etappe des Eifelsteigs, die Etappe 15 von Kordel nach Trier.

Die Tatsache, dass es die letzte Etappe ist, beflügelt uns doch ein wenig. Die Etappe ist kurz, für Eifelsteigverhältnisse. Nur 16,6 km stehen im Buch. Jedoch der Blick auf den Tourverlauf zeigt uns, dass dies kein Sonntagsnachmittagspaziergang wird. Auch eine liebe Bekannte hatte uns bereits entsprechend vorbereitet. Wir waren also auf alles genusswandern_etappe15_2gefasst. Und dann waren wir unterwegs. Oh Mann, war das schön! Waldpfade ohne Ende. Aaaaber, ganz schön rauf und runter ging es. Und genau das macht diese Etappe wirklich sehr hart. Seit Sommer 2015 ist leider das Butzbachtal gesperrt. Hier sind diverse Waldarbeiten erforderlich, bis der Weg wieder zugänglich ist. Von der Umleitung aus hat man jedoch an der ein oder anderen Stelle Einglick auf den eigentlichen Weg und der scheint offensichtlich wunderschön zu sein. Schade, dass wir das verpasst haben. Aber es gibt noch ein paar historische Stellen an denen man vorbei kommt und so wird eine kleine Pause zur Geschichtsstunde. Da gibt es das römische Kupferbergwerk und ein paar Kilometer weiter die Klausenhöhle, auch genusswandern_etappe15_3Genovevahöhle. Man ist auf dieser Strecke tatsächlich für jede Unterbrechung dankbar, zumal wir nun tatsächliches Sommerwetter und damit etwas höhere Temperaturen haben. Zum Glück, gibt es viel Wald! Und dann auf einmal liegt sie vor uns – die Mosel. Hinter dem Ort Biewer, nach einem fürchterlichen Anstieg, verläuft der Pfad wie ein Höhenweg am „Rand des Abgrunds“. Unterhalb die Mosel und an jeder Ausbuchtung die sich bietet eine Bank und ein Viewpoint. Es ist wirklich toll, wäre man nicht so total kaputt. Aber der Weg ist das Ziel und das Ziel ist Trier. Und das haben genusswandern_etappe15_4wir vor Augen. Immer wieder bleiben wir stehen und erhaschen einen Blick auf den Dom und die Porta Nigra. Nach dem letzten heftigen Anstieg geht es genusswandern_etappe15_6dann runter und wir stehen vor dem offiziellen Start-/Zielpunkt des Eifelsteigs. Der ist jedoch noch ca. 1,5 km vom Stadtkern Trier entfernt und genau da müssen wir hin. Also, auf die Zähne beißen und weiter. Es ist tatsächlich ein etwas erhabenes Gefühl als wir die Mosel überqueren und Trier City erreichen. Erste Anlaufstelle ist aber dennoch unser Hotel, die Casa Chiara. Freundlich empfangen, haben wir unser Zimmer bezogen, auf dem unsere Koffer schon auf uns warteten. Und auch unsere Urkunden und Eifelsteigsticker. Wow – wir haben es tatsächlich geschafft, unseren ersten vollständig erwanderten Fernwanderweg. Darauf ein Bit – gab leider nix anderes.

genusswandern_etappe15_7Trotz der Erschöpfung lockte die Stadt Trier. Duschen, anziehen und los! Wir sind gleich Richtung Dom zum Weingarten des Reichsgraf von Kesselstatt. Eine Flasche leckeren Weißburgunder, viel Wasser, Saargauer Bauernkäse und Wildschweinschinken. Glück kann so einfach sein.

Resume: Der Eifelsteig ist ein sehr abwechslungsreicher, landschaftlich wunderschöner und auch anspruchsvoller Fernwanderweg. Die Variante mit Koffertransfer kann ich nur jedem ans Herz legen, der es nicht auf die Selbsterfahrung einer besonderen Art anlegt. Die Eifel Tourismus GmbH bietet hier einen besonderen Service auf den man sich verlassen kann. Diese Art des Wanderurlaubs macht es für mich bzw. für uns zum Genuss-Wandern. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei meinem Lieblingsmann Leo bedanken. Er hat mit mir gelitten, mich getröstet, motiviert und dazu gebracht die Sache durchzuziehen.

Auf der Tour haben wir uns auch den Spott des ein oder anderen Hardcore-Wanderers eingeheimst wegen unserer Rucksäcke. Wir haben Leute getroffen, die mit einem 26 Liter Rucksack den gesamten Steig, also 15 Etappen, gelaufen sind. Sie wussten abends nicht ob sie ein Bett hatten, liefen 15 Tage in den gleichen Klamotten rum, hatten aber Rotwein im Rucksack. Wir dagegen konnten abends auch mal ein, sofern verfügbar, netteres Lokal aufsuchen, mussten nicht jeden Abend im Hotelzimmer Unterhosen, Socken und T-Shirt waschen, und hatten Essen, Wasser, Flachmann gefüllt mit Single Malt und eine Regenjacke dabei. Mein lieber Münchner Onkel, ein altes Naturfreunde Urgestein, hat mir als Kind schon eingebleut, beim Wandern immer an alle Eventualitäten zu denken. So mache ich das nun seit Jahrzehnten und lag immer richtig. Urlaub interpretiert jeder anders und das ist auch gut so. Wer jedoch auch im Urlaub nicht auf ein wenig Komfort verzichten möchte, ist mit der von uns gewählten Art einer Wandertour auf jeden Fall gut beraten.

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Andrea Kuchenbuch

1 Comment

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